Öffentliche Informationsveranstaltung "Hochwasser Lauerzersee"
Als Vorstandmitglied der IGL und involviertem Anwohner habe ich die Veranstaltung besucht und versuche für Interessierte nachfolgend die wichtigsten Informationen zusammenzufassen.
Die vorgestellten Massnahmen bestehen aus einem Verbund von verschiedenen Teilprojekten, welche Lösungen zum Hochwasserschutz und ökologischen Renaturierungs-Vorgaben aufzeigen und zur Realisierung bringen sollen. Es handelt sich dabei im Moment nur um Lösungsvorschläge in verschiedenen Projektphasen. Entscheidungen sind erst nach Absprachen mit Grundeigentümer und involvierten Kostenträger und Verbänden möglich.
TP 1: Punktueller Ausbau der Seeweren zwischen Ausfluss und Restaurant Bauernhof und beim Zufluss in die Muota.
Im Vordergrund steht dabei die Optimierung vom Abfluss der Seeweren bis in den Zufluss in die Muota. Mit folgenden Massnahmen soll die Abflussmenge um zirka
5.4 m3/s erhöht und damit der See entlastet werden:
Ø Ausbaggerungen beim Auslauf (V1)
Ø Entfernung/Verlegung von Einbauten (z.B. Rohren) im Bereich Barcarola und Restaurant Bauernhof.
Ø Örtliche Uferabsenkungen/Renaturierungen zur Optimierung der Fliessgeschwindigkeit im Bereich von Engpässen (V3 & V4).
Ø Verminderung der Rauheit von Seewerensohle und -Uferbereich zum Erhöhen der Fliessgeschwindigkeit.
Ø Optimierung/Umgestaltung vom Einfluss in die Muota (ehem. Kraftwerk)
Vorstudien zu diesen Projekten seien abgeschlossen und Gespräche mit Grundbesitzern werden geführt. Nächste Schritte: Ausschreibungen des Bauprojektes im Verlaufe des Jahres 2024.
TP 2: Langfristige, gezielte Massnahmen auf National- und Kantonsstrasse
ASTRA/Bund: Massnahmen zur Verhinderung eines Wasserrückstaus unter der Autobahn (Acherlikreisel) wurden untersucht. Detailplanung und Ausführung erfolgt erst nach Beurteilung der Wirtschaftlichkeit im Gesamtkontext aller Teilprojekte.
Kanton (Strasse Seewen-Lauerz): Auf Seite Kanton laufen Grundlagenaufbereitung und Kostenermittlung für eine Sicherung der Strasse auf Hochwasser Schutzgrad HQ5 (448.5 müM, oder Hochwasserwahrscheinlichkeit alle 5 Jahre). Im Vordergrund stehen dabei Anhebung der Strasse (Stutz, Otten) und Objektschutz entlang der Strasse. Zusätzlich laufen Abklärungen zur Strassensanierung (dauernde Setzungen) im Gebiet Steinbruch Zingel zum hangseitigen Verschieben der Strasse um zirka eine Fahrbahnbreite.
TP 3: Objektschutz und raumplanerische Massnahmen entlang der Seeweren
Erklärtes Projektziel (wörtlich):
> Unkontrolliertes Ausbreiten (von Hochwasser) Richtung «Acherlikreisel» und angrenzenden Bauten an der Bad- und Seewerenstrasse ist zu verhindern, punktuelle Areal- und Objektschutzmassnahmen sind zu prüfen.
> Wenn technische Massnahmen nicht möglich sind, oder eine zu starke Einschränkung resultiert (Zugänglichkeit), sind raumplanerische Massnahmen zu ergreifen (z.B. Sockelgeschosshöhen)
TP 4: Eigene Vorsorge der Grundeigentümer
Ziel/Überblick:
Ø Betroffene Objekte rund um den Lauerzersee und an der Seeweren sollen mittels Objekt- oder Arealschutz geschützt werden (Stand HQ100, Niveau 449.5 müM)
Ø Objektschutz ist grundsätzlich Sache der Grundeigentümer. Bei Neubauten gelten in der Gemeinde Lauerz schon heute entsprechende Sockelgeschosshöhen.
Ø Abklärungen zu Kostenbeteiligung durch Bundesgelder sind beim BAFU hängig.
Projekt-Stand:
Ø 16 von angefragten 42 Grundeigentümer haben eine Objektschutzberatung gewünscht.
Ø Die Beratungen seien positiv verlaufen. Für die Hälfte konnten zusätzlich mögliche Lösungen aufgezeigt werden. Bei den anderen 8 wurden deren ergriffenen Massnahmen als tauglich erachtet.
Ø Für das BAFU sei für eine Kostenbeteiligung die Gesamtbetrachtung der Wirtschaftlichkeit aller Massnahmen erforderlich. (Anm. Ich befürchte das heisst nichts Gutes)
Projekte Wasserbau: Bezirk Schwyz
Der Bezirk Schwyz informiert über gewünschte/geplante Vitalisierungsprojekte im Raum Lauerzersee wie folgt:
Seeweren Unterlauf (Bauernhof bis Einmündung Muota)
Der Bezirk gewichtet den Handlungsbedarf im Bereich Seeweren Unterlauf als «sehr hoch», mit hohem Nutzen für Hochwasserschutz und Revitalisierung. Das freut uns doch 😉.
Diverse Abklärungen (Gerinnungsgeometrie 2023, Hydraulische Modellierung 2024, Überprüfung Hochwasserschutz / Kapazitätsdefizite und Rückstauprozesse) für diesen Bereich der Seeweren wurden gemacht oder seien in Bearbeitung.
Einmündung Seeweren-Muota
Für den Bereich Seeweren-Einmündung besteht ein Vorprojekt mit Revitalisierung und Absenkung der Muotasohle um 0.5 Meter, was gemäss hydraulischer Modellierung die Wasserspiegellage der Seeweren positiv beeinflussen soll. Die Projekt-Vorprüfung durch den Kanton ist erfolgt, beim Bund aber noch pendent.
Steiner Aa / Revitalisierung
Das Revitalisierungsprojekt der Steiner Aa (Richtplananpassung 2022) sieht im Fliessbereich wenig Gefahrenpotential. Es stehen diverse Varianten: mit kleinem, mit grossem Delta, mit minimaler- bis umfangreicher Bachlauf-Renaturierungsstufen im Variantenstudium.
Geschiebehaushalt:
Der Geschiebehaushalt soll durch drei Geschiebelagerungsplätze (GAP Biberegg, Sattel-Talstation) und Aazopf Steinen) optimiert werden. Zur Verlandungsproblematik verweist der Bezirk auf Sedimentgrundmessungen im Jahr 1989. Diese sollen zeigen, dass 5/6 der Ablagerungen auf Schwebeanteil und nur 1/6 auf Geschiebeanteil zurückzuführen sei. Geschiebeentnahmen könnten darum beim Verlandungsproblem nur eine untergeordnete Rolle spielen. (Anm.: Wer mit dem Boot einmal vor der Steiner Aa pendelt, sieht das örtlich etwas anders).
Schwemmholz:
Das Schwemmholz wird als Teil des Ökosystems, abgesehen vom Verklauselungsrisiko bei Brücken, als wenig problematisch beurteilt. Wörtlich: Schwemmholzrückhalt aus flussbaulicher Sicht / Hochwasser kein relevantes Thema. Eine Prüfung der Rückhaltemöglichkeit für Schwemmholz im Mündungsbereich wird aber erwogen.
Ökologie
Beim Revitalisierungs-Projekt soll eine Verbesserung der Längs-.und Quervernetzung für bestehende Arten (Bachforelle, Alet) mit Strukturen und tiefen Stellen/Kolken angestrebt werden. Gefährdungspotential durch invasiven Kamberkrebs
Projekt: Abwasser Gemeinde Lauerz
Der Vertreter der Gemeinde Lauerz informierte, dass gegen die Problematik der überforderten Kanalisation bei Starkregen oder Hochwasser, Massnahmen im Leitungsbereich getroffen werden.
Dazu wurden Aufnahmen der Kanalisationsleitungen durchgeführt und dabei festgestellte Schäden der öffentlichen und privaten Leitungen zur Sanierung verfügt. Zusätzlich wurden/werden alle Schachtabdeckungen im Hochwasserbereich abgedichtet und verschraubt (Dichtigkeit und Sicherheit).
Persönliches Fazit
Nachdem jahrelang (zu lange) einfach nichts passiert ist, hege ich die Hoffnung, dass endlich verschiedene realisierbare Lösungsansätze zum Hochwasserschutz und auch willkommene Revitalisierungs-Projekte im Planungs-/Projektstatus vorhanden sind. Wieviel diese Massnahmen dann effektiv bringen wird uns die Zukunft zeigen.
Einen grossen Dank an Regierungsrat Sandro Patierno und die zuständigen Verantwortlichen in den kantonalen Ämtern, dem Bezirk und den Gemeinden sind die gemachten Informationen und Studien allemal wert. Hoffen wir, dass einiges auch wirklich umgesetzt wird und die geplagten Anwohner davon auch «noch» profitieren können.
Walter Aschwanden