Übersicht: Stand Hochwasserschutz am Lauerzersee
as/Nach dem neuen Hochwasser im Juli 2021 hat der neue Umweltdirektor Sandro Patierno erklärt, sich dem Thema mit "Nachdruck" zu widmen. Gemäss Recherchen des Boten der Urschweiz sollen diesen Frühling (2022) Entscheide fallen.
Unser Präsident, Stefan Marty, konnte im Februar in einem persönlichen Gespräch mit RR Sandro Patierno die Anliegen der IG-Lauerzersee vertreten.
Zum aktuellen Stand und den Abklärungen hat der Bote am 21. Juli 2021 einen informativen Bericht verfasst.
Bericht aus dem "Bote der Urschweiz" vom 21. Juli 2021
Redaktion: Anja Schelbert
Wie steht es um den Hochwasserschutz Lauerzersee? Seit letzter Woche – diverse Verkehrsachsen mussten gesperrt und Personen evakuiert werden – ist die Frage wieder brandaktuell. Das Hochwasser rund um den Lauerzersee verursacht jährlich im Durchschnitt Kosten von 570000 Franken (Stand 2018).
Der amtierende Umweltdirektor verspricht nun, sich darum zu kümmern. Denn das Thema liegt bei der Schwyzer Regierung schon viele Jahre pendent. Bereits 2013 favorisierte die «Vertiefungsphase Entwicklungsachse Urmiberg» einen Stollen durch den Urmiberg. 2014 sollte ein weiteres Projekt diese Idee mit anderen Lösungsansätzen vergleichen. So wurde auch das ungenügend abfliessende Wasser im Oberlauf der Seewern (Seeauslauf bis Restaurant Bauernhof) mit einem regulierten Bypass unter der Seewernstrasse geprüft. Ebenso schaffte es der reine Objektschutz am 12. Dezember 2016 unter die besten vier Varianten. Diese wurden bereits ab 2015 einer Machbarkeitsstudie unterzogen.
2016 zeigte sich der ehemalige Umweltdirektor René Bünter noch zuversichtlich. Damals rechnete er mit der Fertigstellung des «formellen Akts» bis spätestens 2020.
Schon früh wollten Lauerz und Schwyz den Stollen
Im Jahr 2017 sprachen sich die Gemeinden Lauerz und Schwyz geschlossen für die Stollenvariante aus. Thematisiert wurden ein kurzer und ein langer. Die Kosten für den kurzen Stollen wurden auf 31 Millionen, jene für den langen auf 32 Millionen Franken geschätzt. Die Bypasslösung mit Seewernaufweitung wäre auf 48 Millionen Franken zu stehen gekommen. Am günstigsten und umweltverträglichsten wäre mit 1,5 Millionen Franken der reine Objektschutz gewesen. Allerdings hätten damit lediglich Sachschäden, aber keine Verkehrsbehinderungen wegen Hochwassers vermieden werden können. Die Schwyzer Regierung blieb vorerst unentschlossen.
Moorhydraulik, Flora und Fauna bremsten Fortschritte
Im Januar 2018 wurde dann mit der Ausarbeitung eines Wehrreglements begonnen. Darauf basierend werde man das weitere Vorgehen für den Hochwasserschutz am Lauerzersee bestimmen, versprach die Regierung.
Bereits im März 2018 pochte der Lauerzer Gemeinderat aber schriftlich auf mehr Tempo und forderte zu «wirkungsvoller, zeitnaher und echter Problembekämpfung» auf. Dies, nachdem das Dorf Lauerz ein weiteres Mal unter starkem Hochwasser und dessen Folgen gelitten hatte. Einen Monat später argumentierte die Schwyzer Regierung, die «Bestvariante» sei nicht schneller zu erörtern, weil «eine Beschleunigung der Arbeiten aufgrund fehlender Grundlagen zur Moorhydraulik und zu den geschützten Tier- und Pflanzenarten nicht möglich ist». Dominik Blunschy (CVP, Schwyz), Peter Dettling (FDP, Lauerz) und Marco Lüönd (SVP, Steinen) versprach Bünter aber in der Antwort auf deren Kleine Anfrage, ein Entscheid der Regierung falle im Jahr 2019.
Zeitgleich liess man abklären, wie sich der Hochwasserschutz auf den Wasserstand im Moor- und Schilfgebiet Sägel auswirken würde. Untersucht wurde im Dezember 2018 nicht nur das Grundwasservorkommen, sondern auch in welcher Tiefe sich dieses befindet und wie die Pegel sich jeweils bewegen. Die Erhebungen zu den ökologischen Aspekten wurden schliesslich im Frühjahr 2019 abgeschlossen.
2019 lagen bereits alle Resultate vor
In der Kantonsratssession vom Oktober 2019 sprach sich Ex-Umweltdirektor René Bünter erneut positiv aus: «In der Zwischenzeit liegen alle Resultate vor. Nun wird die Regierung auch nächstens informieren können – Ende 2019 oder Anfang 2020.» Beides trat nicht ein. Weder hatte der Schwyzer Regierungsrat innert prognostizierter Frist einen Entscheid gefällt, noch wurde die Öffentlichkeit in Kenntnis gesetzt, welche der vier Varianten (kleiner oder grosser Stollen, Bypass oder Objektschutz) denn nun wirklich umgesetzt werde.
Die regierungsrätliche Erklärung: Es sei zu weiteren «notwendigen Arbeiten» gekommen. Erst wieder im März 2020 folgten genauere Begründungen. Dann hiess es, die Trockenperiode im Jahr 2018 habe die Moorhydraulikmessungen beeinträchtigt und dabei das Fortschreiten der Variantenstudie verhindert.
«Umweltverträglichkeits- berichte stehen»
Ab 2019 hat die Corona-Pandemie und der damit verbundene regierungsrätliche Mehraufwand sicherlich zusätzlich Ressourcen gekostet. Aber auch der amtierende Umweltdirektor Sandro Patierno muss den Entscheid weiter aufschieben: Abschlussregime am Lauerzersee würden frühestens Anfang 2022 verabschiedet (siehe «Bote» vom 17. Juli).
«Es ist bedauerlich, dass sich die Pläne zur Seeregulierung so lange verzögert haben. Ich bin jetzt seit einem Jahr Regierungsrat, was vorher war, kann ich nicht ändern. Ich kann aber versichern, dass die Umweltverträglichkeitsberichte abgeschlossen sind. Wir sind mit Nachdruck dran», meint Patierno abschliessend.
Projektablauf:
| April 2014 | Projektstart Hochwasserschutz Lauerzersee |
| 2015 | Auftrag Machbarkeitsstudie des Umweltdepartements |
| 2016 | Regierung rechnet mit Fertigstellung des «formellen Akts» bis 2020 |
| Dezember 2016 | Infoveranstaltung in Lauerz und Vorstellung der Varianten «Stollen», «Objektschutz» und «Bypass» |
| 2017 | Gemeinden Lauerz und Schwyz befürworten Stollen- Lösung, Regierung bleibt unentschlossen |
| Januar 2018 | Beginn Ausarbeitung Seeregulierungsvorschrift (Wehrreglement) |
| März 2018 | Lauerzer Gemeinderat fordert Regierung zu «wirkungsvoller, zeitnaher und echter Problembekämpfung» auf |
| April 2018 | Regierung gibt öffentlich erste Verzögerungen im Zeitplan zu |
| Dezember 2018 | Regierung verspricht definitiven Entscheid über «Bestvariante» im Januar 2019 und prüft den Sägel-Untergrund |
| Frühjahr 2019 | Abschluss Erhebungen zu ökologischen Aspekten |
| Oktober 2019 | Ex-Umweltdirektor informiert an der Kantonsratssession: «ln der Zwischenzeit liegen alle Resultate vor» |
| Bis Ende 2019 | Entscheid über «Bestvariante» wurde nicht gefällt – Regierung rudert zurück und spricht von «zusätzlich notwendigen Arbeiten» |
| März 2020 | Regierung rechtfertigt: Trockenperiode im Jahr 2018 habe Moorhydraulik- Messungen beeinträchtigt und «Bestvariante» weiter verzögert |
| Juli 2021 | Aktueller Umweltdirektor stellt Entscheid bis Anfang 2022 in Aussicht |