,

IG kritisiert "Mikro-Massnahmen"

Bericht aus dem "Bote der Urschweiz" vom 22. September zur Kritik der IG zu den geplanten Regulierungsmassnahmen.

 

Bericht aus dem "Bote der Urschweiz" vom Freitag, 22. September 2022
Redaktion: Jürg Auf der Maur

 

Hochwasser: IG kritisiert «Mikro-Massnahmen» des Kantons

Das Angebot der Regierung, Grundeigentümern Tipps für den Objektschutz zu geben, beeindruckt die IG-Lauerzersee nicht. Das sei nur eine «nette Geste», betont sie.

Im Frühsommer legte die Schwyzer Regierung Pläne vor, wie der Hochwasserschutz am Lauerzersee endlich verbessert werden könnte. Unter anderem wird auf den Objektschutz, eine Erhöhung der Kantonsstrasse und eine Optimierung der Schwachstellen des ausfliessenden Seewassers gesetzt. «Der Auftrag wurde extern erteilt, die Projekte ab dem Restaurant Bauernhof werden vom Bezirk Schwyz vorangetrieben, die Startsitzung zu den Verbesserungen bei der Mündung in die Muota ist erfolgt», erklärt Regierungsrat Sandro Patierno den Stand der Dinge.

Der Umweltdirektor führt damit aus, was seit der Orientierung der Bevölkerung bereits vorgenommen wurde. Weiter gehende Wünsche und Vorstellungen der Anwohner – etwa die ebenfalls geprüfte Seeregulierung – liessen sich aufgrund der geltenden Umweltschutzmassnahmen nicht realisieren, betont Patierno.

Die Hälfte der Angefragten meldete sich nicht

Per Ende August hatten die 41 betroffenen Grundeigentümer Gelegenheit, sich für eine Objektberatung zu melden. Ihnen wird gezeigt, wie sie ihre Liegenschaft schützen könnten. Jetzt liegen erste Ergebnisse vor. Von den 41 mit Fragebogen angeschriebenen Grundeigentümern habe sich «rund die Hälfte entschieden, eine Objektschutzberatung in Anspruch zu nehmen», gibt Patierno auf Anfrage des «Boten der Urschweiz» bekannt. Die Rückmeldungen seien «sehr sachlich gewesen» und hätten neben Angaben zur Erreichbarkeit auch Terminvereinbarungen durch Experten beinhaltet.

«Eine Grundeigentümerin», so Patierno, «hat sich zum Vorgehen des Regierungsrates und zum klaren Auftrag, die vorgesehenen Massnahmen auch zeitnah zu realisieren, positiv geäussert.» Negative Meldungen zur Umfrage seien keine eingegangen. Und: «Von rund der Hälfte der angeschriebenen Grundeigentümer haben wir keine Rückmeldung erhalten.»

Dass nur die Hälfte geantwortet habe, sei «nicht sonderlich beeindruckend», findet Peter Betschart, Aktuar der IG Lauerzersee. Das zeige, dass die andere Hälfte die Objektschutzberatung nicht benötige,  beziehungsweise «als falschen Weg beim Hochwasserschutz betrachtet». Zudem, so Bet­schart, würden wohl die meisten Anwohner realisiert haben, «dass die faktisch bei der Beratung vorgeschlagenen Massnahmen selber bezahlt werden müssen und der Kanton somit praktisch nichts für ihren Hochwasserschutz unternehmen wird». Die Objektschutzberatung sei zwar «eine nette Geste seitens der Regierung an die Anwohner», letztlich aber könne das als nichts weiter als einen «Tropfen auf einen heissen Stein» bewertet werden, damit die Ämter und die Regierung so «überhaupt Massnahmen vorweisen können».

Reine Symptombekämpfung oder effektive Verbesserungen?

Die Objektschutzberatung wie auch die «restlichen geplanten Mikro-Massnahmen werden das Grundsatzproblem Hochwasser nicht substanziell entschärfen können», ist die IG Lauerzersee überzeugt. Es handle sich vielmehr um eine «kurzfristige Symptombekämpfung». Insbesondere bleibe die «Überschwemmung der Strassen um den See» ungelöst. Durch die Verlandung des Sees werde es, so ist man in der IG überzeugt, «in Zukunft noch zu verheerenderen Hochwassern kommen».

Das Hochwasserproblem werde einmal mehr nicht an der Wurzel angepackt. Festzuhalten bleibe auch, dass durch die Vergabe der Objektschutzberatung an ein externes Fachbüro hohe Kosten generiert würden. «Wir sind der Ansicht, dass diese Gelder besser in eine langfristige Lösung hätten investiert werden sollen.»

Regierungsrat Patierno betont aber, dass mit einem «Bündel von verschiedenen Massnahmen der Hochwasserschutz verbessert» werde. Zahlreiche bilaterale Besprechungen mit Direktbetroffenen an der Seewern und am Lauerzersee hätten denn auch bereits stattgefunden. Bereits im Herbst 2022 ist die Vergabe von weiteren Arbeiten vorgesehen.